{"id":1186,"date":"2016-10-13T17:37:18","date_gmt":"2016-10-13T15:37:18","guid":{"rendered":"https:\/\/vogelsberg-blog.de\/blog\/?p=1186"},"modified":"2018-06-23T14:46:29","modified_gmt":"2018-06-23T12:46:29","slug":"wie-der-vogelsberg-zu-seinem-namen-kam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vogelsberg-blog.de\/blog\/wie-der-vogelsberg-zu-seinem-namen-kam\/","title":{"rendered":"Wie der Vogelsberg zu seinem Namen kam"},"content":{"rendered":"<p>Beinahe mitten im Hessenland, zwischen Wetterau, Kinzig und Schwalm, quollen vor langer Zeit gewaltige Lavamassen aus dem Inneren der Erde, wuchsen an zu einem m\u00e4chtigen Berge und erkalteten. Gewaltig nicht an H\u00f6he, sondern an Umfang. Wenn du ihn quer durchwandern willst, magst du wohl zehn Stunden brauchen, f\u00fcnf bergauf und f\u00fcnf wieder bergab. Von der Gluthitze seines Entstehens versp\u00fcrst du heute nichts mehr. Im Gegenteil, die Bewohner sagen, drei Viertel des Jahres sei es dort oben Winter und ein Viertel des Jahres kalt. Und die Sp\u00f6tter f\u00fcgten hinzu, dort brauchen die Zwetschgen zwei Jahre zum Reifen. Im zweiten Jahr m\u00fcsse man sie aber mit der anderen Seite nach der Sonne h\u00e4ngen.<\/p>\n<h2>In Herchenhain soll es sich zugetragen haben<\/h2>\n<p>So unwirtlich soll fr\u00fcher der Berg gewesen sein, dass der Herrgott \u00fcber ihm den Teufel aus dem Himmel warf und meinte, dort sei es gut genug f\u00fcr den schwarzen \u00dcbelt\u00e4ter. Gerade \u00fcber Herchenhain soll sich das zugetragen haben, aber man wei\u00df es nicht mehr so genau. Geblieben ist der Teufel jedenfalls dort nicht, sondern mit Gestank zur H\u00f6lle gefahren.<\/p>\n<h2>Und das kam so:<\/h2>\n<p>Ein armer Schmied, der rasch und ohne viel Arbeit reich werden wollte, verschrieb dem Teufel f\u00fcr viel Geld seine Seele. Nach drei Jahren sollte sie der Teufel holen d\u00fcrfen, wenn er drei Proben bestehe, die der Schmied von ihm fordern w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Drei Jahre lebte der Schmied in Saus und Braus. Drei Jahre gehen aber rasch herum, und je n\u00e4her der Tag kam, an dem der Vertrag mit dem Teufel ablief, umso stiller und bedr\u00fcckter wurde der leichtsinnige Mann. Ruhelos wanderte er im Oberwald umher und wusste nicht, wie er dem Teufel beikommen solle. Am n\u00e4chsten Tag w\u00fcrde er kommen und seine Seele holen.<\/p>\n<p>Ganz verzweifelt setzte sich der Schmied auf einem Baumstumpf und starrte in den Wald. Wie sehr er sich auch anstrengte, einen Ausweg aus seiner Lage zu finden, es fiel ihm nichts ein. Da stand pl\u00f6tzlich ein altes buckliges Weibchen neben ihm. &#8222;Hihi&#8220;, sagte es mit seinem zahnlosen Mund, &#8222;hihi, jetzt sitzt du da, du S\u00fcnder, und bangst um deine Seele. Versprich, dass du wieder ein flei\u00dfiger, ordentlicher Mensch werden willst, dann will ich dir helfen&#8220;. Der Schmied versprach es, und die Alte fl\u00fcsterte ihm ihren Rat ins Ohr.<\/p>\n<p>P\u00fcnktlich um die zw\u00f6lfte Stunde fuhr der Teufel durch die Esse in die Schmiede. &#8222;Deine Zeit ist um. Ich bin gekommen, dich zu holen!&#8220; &#8222;Du magst es&#8220;, sagte der Schmied ohne Furcht, &#8222;aber erst, wenn du die Proben bestanden haben wirst, die ich nach unserem Vertrag von dir fordere.&#8220; Dabei riss er sich ein B\u00fcschel seiner krausen Haare aus und verlangte: &#8222;Schmiede sie mir gerade!&#8220; Der Teufel fluchte und warf die Haare in das Feuer. Die erste Probe war nicht bestanden.<\/p>\n<p>Nun trat der Schmied an den Amboss und begann zu schmieden. &#8222;Sage mir jetzt, was das f\u00fcr ein Werkzeug werden soll.&#8220; Der Teufel sah zu, wie sich das Eisen formte. Das konnte doch nur eine Feuerschippe werden. &#8220; Eine Feuerschippe wird das&#8220;, br\u00fcllte er zornig. &#8222;Hast du gedacht&#8220;, sagte lachend der Schmied und gab dem Eisen noch einen festen Schlag, dass es sich \u00fcber die Kante des Ambosses bog und eine Krauthacke wurde.<\/p>\n<p>Zur dritten Probe f\u00fchrte der Schmied den Teufel hinter das Haus. Dort sa\u00df in einem Baum ein riesiger Vogel. &#8222;Was ist das f\u00fcr ein Vogel?&#8220; Der Schwarze kratzte sich hinter den Ohren. Nein, solch einen Vogel hatte er noch nie gesehen. Da er nun bei allen Proben hereingefallen war, fuhr er in die Luft und verschwand f\u00fcr immer aus der Gegend.<\/p>\n<h2>Was aber war das f\u00fcr ein Vogel?<\/h2>\n<p>Der Schmied hatte seine Frau gehei\u00dfen, sich in einem Backtrog voll Teig, danach in einem Federbett zu w\u00e4lzen und auf den Baum zu steigen.<\/p>\n<p>Die Leute lachten \u00fcber die Geschichte rundum in den D\u00f6rfern des Berges und nannten ihn seitdem den Vogelsberg.<\/p>\n<p><em>(frei nach Theodor Trog)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beinahe mitten im Hessenland, zwischen Wetterau, Kinzig und Schwalm, quollen vor langer Zeit gewaltige Lavamassen aus dem Inneren der Erde, wuchsen an zu einem m\u00e4chtigen Berge und erkalteten. 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